Morgens konnte ich fast ausschlafen. Da ich eh um 23:00 Uhr weggedöst war und erst um 05:00 aufstehen musste, durch grosse Nähe zum Start, hatte ich meine gewohnten 6 Stunden Schlaf in der Nacht vor dem Lauf. Luxus pur. Es folgten die üblichen rituellen Handlungen. Gewisse Stellen einfetten, Hornhautsalbe an die Stellen schmieren, die leicht Blasen kriegen, lustlos ein Rosinenbrötchen mampfen. So früh am Morgen essen ist echt nicht meins. Ab und an warf ich einen Blick aus dem Fenster, wo es ständig wuselte. Läufer packten Sachen in Autos, holten welche raus, liefen hin, liefen her. Von oben sah es aus, wie ein riesiges Bienennest, wo gerade eine Arbeiterbiene eingetroffen war und grosse Mengen Blütenstaub angekündigt hätte. Aber wer wäre dann die Königin? Egal. Ich ging dann entspannt 05:45 runter von meinem Zimmer auf den Markt und suchte das Postauto, welches mein Gepäck transportieren würde, also die Tüte. Nur dumm wenn man nach einem weissen Schild sucht und das Schild ist rot. Aber der Mann auf dem Laster winkte mich schon von weitem zu sich, als er meine Startnummer auf der Tüte erkannt hatte. und wieder ein fröhlicher Mensch. Fast schon unheimlich, so viel gute Laune (Stichwort Tüte ???) Da ich nur kurz da war, hatte ich keine Gelegenheit Bekannte zu entdecken. Es wurde das Rennsteig Lied gespielt, dann kam wieder der Hubschrauber und kreiste über uns, der jüngste Teilnehmer wurde begrüsst und bumms fiel der Startschuss. Es ging durch die Fussgängerzone los und dann durch das Stadttor und schon ging es bergauf in Richtung Rennsteig. Es waren mehr Läufer gemeldet als sonst, somit rechnete ich mit einem dichten Gedränge. Am Anfang war das auch so, erst bei Kilometer 8 ergoss sich der Läuferstrom auf den echten Rennsteig, zu erkennen an den weissen Zeichen "R". Ab hier ging es auch mit genügend Platz weiter. Das Wetter war wolkig, es hatte aber in der Nacht aufgehört zu regnen und das sollte auch bis zum Schluss so bleiben. Nur in Eisenach war es noch so warm und schwül, dass ich meine dünne Jacke ausgezogen hatte. Das war ein Fehler. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es auch. Als ich bei Kilometer 20 etwa mein Gel aufreissen wollte, waren meine Hände so klamm und kalt, dass ich es fast nicht geschafft hätte. Mit Entsetzen dachte ich an Unterkühlung und andere böse Geschichten. Also Jacke wieder an, den rechten Ärmel über die Hand und den Buffy über die linke Hand gestülpt. Sah zwar ein wenig merkwürdig aus, aber es war schön warm. Ich hatte ja keine Handschuhe mit, im Mai. Ich kenne zwar den Rennsteig noch schneebedeckt vom Rennsteig Etappenlauf, aber das war April, mit Schneegestöber auf dem Inselsberg, Brrrr. Ab da hatte ich jedenfalls warme Hände. Den berühmten Haferschleim gab es dies Jahr schon sehr früh bei der Versorgung. Dies Jahr hatte ich folgende Geschmäcker: Orange, Himbeere, Blaubeere, Vanille, Natur oder so ähnlich. Keine Garantie für die richtige Reihenfolge, aber geschmeckt hat es wieder lecker. Und es gab Vita Cola, auch so ein Traditionsgetränk. Es gab Fettbemmen, Brot, Obst eben alles was das Läuferherz wollte und noch etwas mehr. Ich vertrage festes Essen ja nicht so gut bei Läufen. Aber mindestens ein Läufer vetrug es scheinbar auch nicht und scherte in den Wald aus, um sich zu übergeben.
Stdiut