Wie weiter, kann ich überhaupt noch? Ich beschloss einfach mal ein Stück zu wandern. Es ging endlich mal flach geradeaus und somit gönnte ich mir eine Fünfminütige Denk und Gelschlürfpause und einen kräftigen Schluck aus meinem Sack. Ich schaute auf die Uhr uns stellte fest, dass ich bis Ein Uhr morgens noch massig Zeit hatte, wenn ich mich auch von der wahnwitzigen Idee, dass der Trail leichter ist als der Rennsteiglauf längst verabschiedet hatte. Beim Blick in die Gesichter der anderen Läufer konnte ich die gleichen Leiden sehen, die ich selbst gerade spürte. Ein Franzose sagte sinngemäss so etwas wie, nicht hängen lassen, wir trinken nachher ein Bier zusammen. Ihn darauf hinzuweisen, dass ich lieber Rotwein mag, dazu fühlte ich mich einfach zu schlapp. Und noch 30 Kilometer bis Eiffelturm, der Kopf ist leer, der Körper läuft Sturm. Naja so ähnlich. Nach der Gehpause belebten sich meine Geister und ich sagte mir: "Ein Fennig gibt nicht auf, entweder es wird gekämpft oder es wird untergegangen, aber dann mit Würde." Ich strebte dem nächsten Versorgungspunkt entgegen. Mal leicht trabend, den Berg hochklimmend, den Hügel herunterstolpernd, immer vesuchend nicht auf die Fresse zu fallen, hauptsache immer weiter. Bei Kilometer 47, laut Garmin 48, gab es übrigens einen Kontrollpunkt, aber nachdem er mein "Allemand" also "Deutsch" Schild gesehen hatte, liess er mich weiter ziehen, nur die Stirnlampe wollte er sehen. Es gibt bei Fehlen von Pflicht Gegenständen irgendwelche Strafen, keine Ahnung welche. Dann Kilometer 55 Chaville. Coca in den Becher, gleich mehrere Becher. Rosinen gefuttert, ein Stück Kuchen und den Wassertank gefüllt und weiter ging es. Ich dachte ab jetzt gibt es erst ab Ziel wieder etwas, aber das stimmte gar nicht. Bei Kilometer 67 war noch ein Versorgungspunkt St Cloud, den hatte ich gar nicht auf dem Trichter. Um so erfreulicher war es, dort noch einmal Coca tanken zu können. Bei den Anstiegen war es immer noch Mann an Mann, wie wir nach oben kamen. Und es ist so ätzend, wenn Dein Vordermann nicht deinen Rhythmus hat. Das tut gleich noch einmal doppelt so weh, wenn man ganz langsam hinter einem aufsteigen muss und nicht vorbei kommt. Beim nächsten Punkt legte ich auch schon einmal die Nachtausrüstung an, nein leider nicht den Schlafanzug, sondern Reflektor Armbinden und Stirnlampe. Gott sei Dank hatte ich das Meiste bei Licht geschafft. Ab Kilometer 67 war es mit den steilen Anstiegen vorbei. Endlich konnte man in den Laufschritt verfallen, so gut es eben ging. Oben von der Aussicht blinkte und von weitem der Eiffelturm entgegen. Unser Ziel zum greifen nah von dem Hügel und doch noch etwa 11 Kilometer und einen steilen Anstieg zur ersten Plattform entfernt. Es wurde relativ schnell dunkel. Die Strecke führte erst noch durch Parks, dann entlang der Seine an Hausbooten mit Restaurants entlang, dann wieder Ufer aber glatt. Dann mal eine Strasse usw. usf. Alle Eindrücke konnte ich jetzt nicht mehr verarbeiten. Alle 3km in etwa erlaubte ich mir eine kurze Gehpause. Es waren an der Strecke sogar noch Zuschauer, immer wieder ein Bon Courage (viel Glück oder Gutes Gelingen) auf den Lippen. Oder auch noch andre Lobhudeleien, die uns aber erst einmal allen wurst war, ankommen wollten wir, unser eigenes Lob bekommen. Bewundern kann man das Ergebnis nun mal nicht, bevor es vollbracht ist. Noch einmal hätte es mich fast auf die Schnauze gehauen, dabei sah der Weg so eben aus. Aber so hoch kriegt man seine Füsse eben nicht mehr, nach den Strapazen, Gott sei Dank konnte ich mich an einer Stange festhalten und schürfte mir nur die linke Handfläche etwas ab. Der Eiffelturm wurde immer grösser, schon fast riesig schob er sich in mein Matschhirn. Um 22 Uhr fing er an zu blinken, da wird noch einmal mehr Licht eingeschaltet. Einige Mitläufer flippten aus, wie die kleinen Kinder. Dann endlich unterhalb des Turmes eine Treppe nach oben. Die Leute applaudierten. Oben überquerten wir die Strasse und eine tosende Menge applaudierte. Auf einer Grossleinwand sah man kurz jeden Läufer in Grossbild, denn wir mussten eine Rampe überqueren. Dann zum Eingang des Turmes und die Stufen hoch. Unten noch die Fahrkarte nach unten in die Hand gedrückt bekommen. Dann zu Fuss die Treppen hoch. Altes Eisen und alte Knochen trafen hier zusammen. Wir überholten ächzend und stöhnend, stinkend vor Schweiss und Dreck sogar noch ein paar Touristen, die entsetzt vor unserem Anblick zurückwichen und um keinen Preis von uns berührt werden wollten. Der linke Schenkel streikte, da half es das Knie mit der Hand zu drücken. Ein anderer Läufer hat berichtet es dauert 15 Minuten nach oben. Das stimmt nicht unbedingt. Ich brauchte von 10:01 bis 10:08 - also etwa 7 Minuten. Nach 10 Stunden und 8 Minuten stand ich auf der 1. Plattform des Eiffelturms. Inoffiziell. Es gibt noch keine Zeiten. Und ratet was ich als erstes gemacht habe! Ich meine ausser grinsen. Ich habe den französischen Läufer beim Wort genommen, habe mir eine Dose Bier genommen, sie aufgerissen und symbolisch mit ihm getrunken.
Stdiut